Eine Aufführung dieser
Art bot der Musikverein Stadtkapelle Herrenberg
unter Leitung von Musikdirektor Matthias Beno
bisher noch nie. Keine klassische Musik war zu
hören, auch keine Blasmusik vom Feinsten,
am Dienstagabend spielte das Orchester auf der
Bühne der "Sommerfarben" auf dem
Herrenberger Marktplatz ausschließlich Showmusik.
Und die kam beim Publikum hundertprozentig an.
Zwölf beschwingte, mitreißende Stücke
und Arrangements, die jede und jeder kennt, dazu
zwei Zugaben animierten das Publikum zu reichlich
Zwischenapplaus, zum Mitklatschen und Mitsummen.
"Wir wollen zeigen was wir draufhaben",
hatte Orchesterleiter Matthias Beno seine Musiker
auf den Showabend eingestimmt. Angenehme äußere
Bedingungen in Herrenbergs guter Stube, dem Marktplatz,
und ein gut aufgelegtes Publikum versprachen gute
Voraussetzungen für dieses Vorhaben.

Die Herrenberger Stadtkapelle
präsentierte auf der Marktplatz-Bühne
ein breit gefächertes Programm
GB-Foto: Holom
Mit "Eye of the Tiger" aus dem Film
"Rocky" von den Komponisten Frankie
Sullivan und Jim Peterik machte die Stadtkapelle
ihren rockigen Auftakt in die Musik des Showgeschäfts.
Das folgende Musikpotpourri mit Swing aus Glenn-Miller-Zeiten
und Dixieland "Swing the mood", arrangiert
von Paul Lavender, erwies sich als der eigentliche
Türöffner des Abends: Zum ersten Mal
erntete das Orchester Begeisterungsrufe und "Spitze"-Rufe
waren zu vernehmen.
Somit war der Boden gut vorbereitet, als über
60 Sänger des Herrenberger Gospelchors "Voices
ltd." die Bühne betraten. Die von Chorleiterin
Astrid Beuth einstudierten Melodien des 1989 in
New York gestorbenen amerikanischen Komponisten
Irving Berlin, darunter das von ihr in "God
bless my Herrenberg" leicht veränderte
"God bless Amerika" lösten Jubelstürme
aus. Auch bei dem Lied "When you believe"
aus "Prinz von Ägypten" von Steven
Schwartz sprang der Funke sofort über, wirkte
die große Singfreude des Chors und die hervorragende
Spiellaune der Stadtkapelle ansteckend.
Mit drei Rock-n-Roll-Stücken, darunter "Twist
and shout", von Paul Hennings, und "Hootenanay"
von Harold Walters, der in seiner Musik vielfach
Volkslieder verarbeitete, beendete die Stadtkapelle
unter lebhaftem Applaus den ersten Teil.
Nach der Pause hatte dann der junge Schlagzeuger
der Stadtkapelle, Tobias Steffan, seinen großen
Auftritt am Xylofon. "Erinnerungen an Zirkus
Renz", ein Klassiker für alle Xylofonspieler,
bot ihm Gelegenheit, sein großes Können
an dem Schlaginstrument zu präsentieren.
Die Herzen des Publikums gewann er nicht nur auf
Grund seiner bravourösen Darbietung, sondern
auch durch seine verschmitzten Antworten auf die
Fragen des Moderators Christof Seeger aus Öschelbronn,
der an der Hochschule der Medien in Stuttgart
Pressewesen lehrt.
Südamerikanisches wie "El Cumbanchero"
und das beschwingte "Tico Tico" nach
Arrangements des japanischen Musikers Iwai und
Hits der vergangenen Jahrzehnte aus den USA und
Europa rundeten einen besonderen Blasmusik-Abend
ab. Mit "Final Countdown" der schwedischen
Rockgruppe "Europe" und zwei Zugaben
konnten die Musiker des ältesten Musikvereins
in Deutschland, der Herrenberger Stadtkapelle,
abschließend noch einmal zeigen "was
sie draufhaben", so wie es sich Dirigent
Matthias Beno anfangs gewünscht hatte. "Es
ist wichtig, dass die Zuhörer neue Stücke
von uns hören. Ich glaube, dass das gut ankommt."
Damit sollte er Recht behalten. Dass er mit der
Musikauswahl ins Schwarze getroffen hatte, bewies
die begeisterte Reaktion des Publikums.
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