| Ausstaffiert als Patrizier
eröffnete Schultheiß "Andreas
vom Ziegelfeld" die Veranstaltung. Im normalen
Leben bekleidet Andreas Gravert das Amt des Ersten
Bürgermeisters der Stadt Herrenberg. Im Beisein
des Marktvogtes, dargestellt von Bernhard Scholz,
Leiter der für die Organisation zuständigen
Eventfirma "Vivenda Historika", ließ
Gravert ein markiges "Höret, höret,
höret, Volk zu Herrenberg" erschallen.
Allerlei Kurzweil werde geboten. Darunter der
Aufzug der edlen Ritter, die gekommen seien mit
ihren Knappen und starken Rössern, um die
Gunst der edlen Fräulein zu streiten und
ihre Kampfeslust und Geschicklichkeit zu beweisen.
Mit kräftigem Händegeklapper solle nicht
gespart werden, so der sichtlich gut aufgelegte
Schultes Gravert zum Publikum. Das nahm seine
Aufforderung, "nach erschöpfendem Handeln,
Feilschen und Turnierbesuch einzukehren bei den
Wirten", dankbar auf. Dicht gedrängt
saßen viele Familien auf den Bänken
vor den Zelten, wo schmackhafte Kost und Getränke,
darunter auch das im Mittelalter übliche
dunkle Bier, ausgegeben wurden.

Mittelaltermarkt: Utensilien aus vergangenen Zeiten
GB-Foto: Bäuerle
Bei einem Rundgang konnte man individuelle Bekleidung
erstehen, Schmuck oder handgefertigte Einzelstücke
nach historischer Vorgabe, dabei erfuhren die
Besucher zugleich lebendige Geschichte. Vielerorts
brannten Feuer, wo Suppen köchelten oder
vor allem Hausgerät aus Eisen geschmiedet
wurde: Die bis zu 25 Kilo wiegenden Kettenhemden
aus tausenden feinster Eisenringe aus Federstahl
waren jedoch in wochenlanger Feinarbeit woanders
entstanden. Außerdem verfolgten die interessierten
Besucher auf dem fast 5 000 Quadratmeter großen
Herrenberger Festplatz unter anderem die Tätigkeit
eines Schusters und eines Taschenschneiders, eines
Drechslers, Seilers, eines Goldschmieds und eines
Wetterfahnenmachers.
Mittelalterfans konnten zudem Lederartikel oder
das Zubehör für die damals üblichen
Stoffe zum Selbermachen kaufen. An mehreren Ständen
war einem diese Arbeit jedoch abgenommen worden:
Prächtige Gewänder warteten auf ihre
Besitzer, die sich damit in eine andere, längst
vergangene Zeit versetzten. Für etliche Begeisterte
ist das dann wie ein zweites Leben, das sie neben
ihrer normalen, derzeitigen Existenz führen,
erklärte eine Teilnehmerin im Flachskleid
und Stoffhaube.

Das Pferd im Griff und das Ziel im Blick:
Beim Ritterturnier war Geschick gefragt
GB-Foto: Bäuerle
Wie die verflossene Epoche lebendig wird, erfuhren
die Besucher des Mittelaltermarktes am Samstag
und Sonntag in Herrenberg unter anderem beim Ritterturnier.
Auf der 80 Meter langen Stechbahn zeigten das
die "Aventurier", eine Gruppe von rasanten
Profireitern in bunten, mittelalterlichen Gewändern,
die schon in Filmen und TV-Produktionen mitgewirkt
haben. Nach alten Vorgaben stellten sie ihr Geschick
bei Wettkämpfen und Kampfspielen zu Pferd
unter Beweis.
Zahlreiche Gruppen umrahmten das bunte Treiben
des Mittelaltermarktes, aus Kaufbeuren im Allgäu
beispielsweise die jugendliche Artistikgruppe
"Anam Cara": 15 Mädchen und Jungen
im Alter von zehn bis 14 Jahren zeigten Jonglage
mit Keulen, Bällen, Feueraktionen und akrobatische
Übungen. Unbeschwert und mit viel Freude
präsentierten sich die Akteure der seit 2000
bestehenden Gruppe, die Mitglied im Bayerischen
Jugendring und somit anerkannter Träger der
Jugendhilfe ist.
In Berlin heimisch sind die vier Musiker der
"Potenzia Animi", die mit fetziger Musik
auf historischen Instrumenten einheizten. Max
Xamax aus dem rheinland-pfälzischen Bergzabern
zog junge und erwachsene Besucher mit Zaubertricks
in seinen Bann. Die Kleinsten lauschten dagegen
den spannenden Märchen des tschechischen
Schauspielers Miroslaw, die er, im lärmenden
Marktgeschehen akustisch leider oft kaum verständlich,
im Marionettentheater "Melusine" aufgeführte.
Nicht zuletzt trugen die "Tavernenweiber"
Birgit und Nacy Voigt und Elke Scholz samt Eunuch
mit ihren Sprüchen, Musik und frechen Liedern
zum Schlangentanz zum Gelingen der Veranstaltung
bei.
Georg Schwenk, Vorsitzender der Stadtkapelle,
zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der
Veranstaltung: "Sie wird von den Leuten sehr
gut angenommen", so sein Fazit. Das hätten
ihm viele Besucher bestätigt. "Weil
alles so gut ankommt, werden wir die Veranstaltung
voraussichtlich alle zwei Jahre fortführen",
kündigte Schwenk an.
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