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Sorgt für Gruselstimmung in der Stadthalle:
Die Vorleserin Regina Kuhn
GB-Foto: Bäuerle
Die Stadtkapelle Herrenberg hat sich alle erdenkliche
Mühe gegeben, ihr "Erlebniskonzert"
auch zu dem werden zu lassen, was der Name versprach.
Der Dank dafür war eine ausverkaufte Stadthalle
am Freitagabend. Am Freitag begann man denn auch
zeitig mit der Vorstellung, um 19 Uhr, wohl um
auch den jüngeren Potter-und-so-weiter-Fans
Gelegenheit zum Besuch zu geben. Die zogen prunkvoll
bemalt und schwer bewaffnet in die Halle ein,
denn im Foyer befand sich nicht nur ein Tisch,
an dem engagiert und fantasievoll Kinderschminken
betrieben wurde, sondern auch ein gut bestückter
Merchandising-Stand: Keiner musste an diesem Abend
ohne aufblasbares Seeräuberschwert bleiben.
Seeräuber gehörten nämlich ebenso
zur Besetzung des Abends wie Zauberer, Elfen und
Goloms. Die Stadtkapelle lockte gleich mit einem
ganzen Strauß an Fantasy-Konzerten in ein
Land jenseits der trockenen Einöden der Realität.
Harry Potter und die Musik zum Zauberer, nicht
frei von überschwänglich skurrilen Motiven,
bildete da nur den Auftakt.
Auf die musikalische Begleitung von Besenstielritt
und Hexenunterricht folgte ein Ausflug ins Land
jenseits des Regenbogens, arrangiert vom Chor
der Jerg-Ratgeb-Schule unter Leitung von Christoph
Mild-Ruf: "Somewhere over the Rainbow"
sang bekanntlich Judy Garland, in der schwarzweißen
Steppe des amerikanischen Bundesstaates Kansas,
bevor der große Wirbelwind kam, um sie genau
dort hinzutragen, wo es Farbe, Zinnmänner,
dafür aber auch grünnasige Hexen gab.
Humoristische Töne
Nach diesem kleinen sanglichen Intermezzo wurde
es Zeit für den wirklich großen Ausflug
des Abends, ins Land Mittelerde. Die humoristischen
Töne der Harry-Potter-Musik fehlen dem "Herr
der Ringe" ganz - stattdessen welterschütterndes
Pathos, musikalisches Schlachtengetümmel.
Und Stimmen, die dramatisch erzählen, mitunter
sogar singen. Der Anfang, alleine: "Ein Ring,
sie zu knechten, sie alle zu finden" Dirigent
Matthias Beno meinte später zur Sprecherin:
"Ich bekam eine Gänsehaut von diesem
schizophrenen Gesang." Man kann wohl davon
ausgehen, dass das in diesem Fall nicht als Kritik
gemeint war, sondern als Kompliment.
Ein schwungvolles Ende des Konzertes bildete
der "Fluch der Karibik". Hinaus aus
der Halle ging es auf demselben Wege wie hinein:
Durch finstere Tunnel. Sehr effektiv hatte der
Musikverein mitsamt seinen Helfern die Stadthalle
an diesem Tag in ein Labyrinth, verhangen mit
schwarzem Stoff, verwandelt, das im Foyer begann
und hinter den Stuhlreihen endete. Lange düstere
Gänge, so richtig zum Fürchten.
Darin standen Gespenster und mysteriöse
alte Männer und Ritter und auch ein Harry-Potter-Replikat
samt Bücherschrank. Und es trieben sich auch
Übeltäter aus Fleisch und Blut herum
in diesen Gängen: Grinsende, unrasierte Piraten,
angeheuert von der Stadtkapelle. Wenn das mal
nicht aufregend war. Fast ein bisschen wie in
der Geisterbahn.
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