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Die Stadtkapelle entführte mit Gruseleffekten
in die Piratenszene der
Karibik – und alle hatten ihren Spaß
BB-Foto: Ellwanger
Hier läuft tatsächlich alles ganz anders
als sonst bei Konzerten: Im Foyer wuselt es, überall
kleine Zauberer, Hexen und Piraten,viele lassen
sich an den Schminktischen erst noch ihre Wunschmaske
aufs Gesicht malen, um dann als Seeräuber
oder Harry Potter den Saal zu betreten.
Aber auch das geht nicht einfach so. Wo ist
die Saaltür? Nicht zu sehen, stattdessen
gähnt mitten im Foyer ein großer schwarzer
Tunnel den Besuchern entgegen und verschlingt
einen nach dem anderen. Dieser Überraschungstunnel
schlängelte sich über 40 Meter bis hin
zu den Stuhlreihen, hinter jedem Knick lauerte
ein anderes Highlight - Nebel, Piraten, Gespenster,
überdimensionale Spinnweben, und Blitzlichtgewitter
machten Geisterbahnatmosphäre.
So eingestimmt blickten die Konzertgäste
gespannt zur Bühne, wo insgesamt 100 Musiker
der Stadtkapelle und der ersten Jugendkapelle
inzwischen in mystischsparsamem Lichtschein Platz
genommen hatten. Knisterspannung herrschte, als
die Harry-Potter-Filmmusik erklang, während
auf der großen Leinwand oberhalb des Orchesters
der Filmheld persönlich, aber auch Ron und
Hermine, Hagrid und Dumbledore ein Stelldichein
gaben.
Mit "Somewhere over the Rainbow" präsentierten
die Orchester gemeinsam mit dem Chor der Jerg-Ratgeb-Realschule
unter der Leitung von Christoph Mild-Ruf den Hit
aus dem "Zauberer von Oz". Eine schöne
Idee war es, gemeinsam mit den beiden Erzählern
Peter und Regina Kuhn in die Märchenwelt
zu schlüpfen, sich ganz einstimmen zu lassen
in die Gefühlswelt der dargestellten Legenden.
Das zentrale Werk des Konzerts bildete die Trilogie
"Herr der Ringe". Als Sängerin
versteht es Regina Kuhn, ihre volle Stimme halb
singend, halb sprechend, mit Spannung und Dramatik
zu erfüllen. Etwa, als sich der Hobbit Frodo
aufmacht, um seine gefährliche Mission zu
erfüllen, den Ring zu zerstören. "Ihr
Hobbits seid doch wahrlich erstaunliche Geschöpfe",
liest Peter Kuhn, bevor die letzte Schlacht um
Mittelerde gegen das riesige Heer des dunklen
Herrschers beginnt. Der Schlusschor kam so gut
an, dass er als später als Zugabe nochmals
wiederholt wurde.
Ende des offiziellen Konzertprogramms bildete
der "Fluch der Karibik" - auch hier
sei betont, trotz aller begleitenden Showeffekte
ein überaus anspruchsvolles musikalisches
Pensum für die Musiker, die sich einmal mehr
als versiert und vielseitig zeigten. Vielseitig
bis hin zu dramatischen Szenen, denn unmittelbar
vor der Bühne fand ein Pirat den Tod durch
den Säbel und wurde hinausgeschleift.
Nach anhaltendem Applaus dankte Matthias Beno
seinen Musikern und Darstellern wie auch den Sponsoren
und dem Projektteam um Karin Schwenk, das seit
mehr als einem Dreivierteljahr mit den Vorbereitungen
beschäftigt war. Der Erfolg freute den Musikerchef
sichtlich: "Mein Dank geht auch ans Publikum.
Wir versuchen, uns gesellschaftlich zu engagieren
- es ist toll, wenn das so belohnt wird."
Die Besucher ihrerseits zogen mit zufriedenen
Gesichtern in Richtung Saalausgang, hier allerdings
war nochmals Geduld gefragt. Im Foyer musste jeder
vorsichtig über den soeben ermordeten Piraten
hinweg steigen. Aber ganz so tot war er nicht.
Er lächelte.
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