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    Kostüme in Handarbeit für Magd und Edeldame
 

Knapp 3000 Besucher bei der dritten Auflage von Mittelaltermarkt und Ritterturnier

Gäubote-Artikel vom 17.08.2009

Das Lagerfeuer, Markttreiben, Wasserguillotine und der Duft kulinarischer Köstlichkeiten zauberten am Wochenende mittelalterliche Atmosphäre auf das Herrenberger Festgelände. Während die Zuschauer am Samstag noch recht zaghaft ins bunte Treiben eintauchten, war der Andrang am Sonntag größer. Insgesamt kamen knapp 3 000 Besucher zur dritten Auflage von Mittelaltermarkt und Ritterturnier, die Stadtkapelle Herrenberg als Veranstalter war zufrieden.


von Sabine Haarer

Ritter bei ihren Kämpfen
Schwer zu tragen hatten die “Ritter" bei ihren Kämpfen:
Die Rüstung wog rund 40 Kilo
GB-Foto: Holom

Gute Stimmung - "Ein bisschen mehr hätte es schon sein können." Philipp Jakob, Vorsitzender der Stadtkapelle, zeigte sich ein wenig enttäuscht ob der Besucherzahl. "Zu heiß", so die mögliche Erklärung der Marktbeschicker. Vor allem in den kühleren Abend- und Morgenstunden füllte sich der Platz, die Stimmung war an beiden Tagen sehr gut. "Das hat einfach Spaß gemacht", äußerten sich die Besucher über Gaukeleien, Ritter- und Schwertkämpfe und die Hinrichtungen an der Wasserguillotine. 45 Stände waren auf dem Gelände aufgebaut, zwischen kulinarischen Köstlichkeiten und Handwerkskunst fanden sich auch allerlei "Kurzweyl"-Angebote. So konnte am Stand von Claus und Ariadne Bayerl mit Bogen oder Armbrust geschossen oder mit Messern geworfen werden.

Schwere Rüstung - Die größere Variante fand sich in den Händen der fünf Schwertkämpfer wieder. Die hatten für ihre Schaukämpfe eine 40 Kilogramm schwere Rüstung angezogen und kreuzten inmitten der Zuschauer ihre Schwerter. "Jeder ist sich selbst der Nächste", so die Warnung, bevor jeder gegen jeden kämpfte. Was spielerisch aussieht, erfordert regelmäßiges Training. Alle zwei Wochen treffen sich die Mitglieder der Germanischen Völker Heimdall.

Das Kreuz mit den Weibern - Gefochten wurde auch beim Auftritt der Turnierreiter. Vier Akteure zu Pferd, dazu einige Knappen - seit zwei Jahren treten die Mitglieder von "Rittermaerchen" mit auf. "Wir wollen weg vom typischen Ritterturnier, wollen lieber lustige und unterhaltsame Geschichten erzählen", erklärt Laurentius vom Untreutal. Gespickt mit allerlei Ritterprüfungen erzählten die Schausteller aus Oberfranken vom verblassten Glanz zweiter Turnierhelden und deren Kampf gegen ihre wehrhaften Frauen. "Vom Kreuz mit den Eheweibern", so der griffige Titel.

Calwer Nachtwächter - Mit seinem "Eheweib" Jutta war Thomas Reininger nach Herrenberg gekommen. Eigens für den Besuch auf dem Mittelaltermarkt hatte er seine Dienstuniform angezogen und sein Arbeitsgerät mitgebracht. "Hört ihr Leut und lasst euch sagen . .." verkündete der Calwer ein ums andere Male und blies dabei kräftig in sein Horn. Thomas Reininger ist Mitglied der baden-württembergischen Türmer- und Nachtwächterzunft und seines Zeichens Nachtwächter zu Calw. Sprüche und Anekdoten müsse man kennen und "einfach schwätzen können", so das Berufsgeheimnis.

Nicht beißen, nur stinken - Ähnlich argumentierte Bernatius van Troethoven. Der Darsteller war mit "Bombi, meiner dickeren Hälfte" nach Herrenberg gekommen. Die beiden traten als "Duo Obscurum" auf, unterhielten die Marktbesucher mit Dudelsack und Trommeln. "Reden, das ist unsere Stärke", erklärte Bernatius selbstbewusst und gab auch gleich eine Kostprobe: "Kommt nur näher. Wir beißen nicht, wir stinken bloß", lockte er das Herrenberger Publikum. Seit sieben Jahren tritt das Dresdner Duo gemeinsam auf, ist fast jedes Wochenende unterwegs. "Da braucht man einige Annehmlichkeit, wir schlafen in einer Pension." Ebenso wie die Bäcker, die beim "Schlossbeck" für ofenfrisches Holzofenbrot und herzhaft belegte Dinnede zuständig sind. "Wir sind von Mai bis Dezember in ganz Europa unterwegs", erzählte Verkäufer Karl-Heinz. Wenn möglich, wird im Hotel oder im Wohnmobil übernachtet.

Fahrendes Museum - Zelt oder Verkaufsstand heißen die Übernachtungsmöglichkeiten für Handwerker und Lagerbewohner. Frieder Walter beispielsweise schlief bei seinen Schuhen. Der Orthopädieschuhmacher aus Willstätt war am Wochenende zum ersten Mal auf einem Mittelaltermarkt. Holzgaloschen fertigte und verkaufte er, dazu mittelalterliche Kuhmaul- und Schnabelschuhe. Zelte dienten hingegen den Templern und Vasallen als Unterschlupf. Die beiden Gruppen hatten am Rande des Festgeländes ihr Lager aufgeschlagen und demonstrierten die historische Lebensweise. "Wir sind ein fahrendes Museum, bieten Geschichte zum Anfassen", erzählten Christina von Knüttel im Felde und Henker Andreas Stockmann von den "Vasallen der Mark Baden" und Robert von Hohenstein samt Gemahlin Karolin Vormberg von der "Templer Kompturey Murgtal". "Die Leute bilden eine große Familie", erzählten sie über die Besonderheiten der Mittel alter-Begeisterten.

Auf der Walz - Aus dem gleichen Grund sind Sina Köble aus Nebringen und Karolina Martijan aus Magstadt der Faszina tion für die Zeitepoche erlegen. "Alle duzen sich und umarmen sich. Man kann sich sofort wohlfühlen." Sie hatten sich für das Wochenende als Magd und als Edeldame kostümiert und die Kleider dafür selbst genäht. "Sonst läuft man Gefahr, dass jemand das gleiche Kostüm anhat", so ihre Erklärung für die Handarbeit. So viele Gedanken hatten sich Korny und Kai nicht gemacht. Sie waren eher durch Zufall zwischen Buden und Schaustellern gelandet. Denn der 20-jährige Zimmermann und der 27-jährige Goldschmied sind auf der Walz. Rottweil ist ihr Ziel, und weil sie dort erst am Sonntag ankommen wollten, legten sie in Herrenberg einen Zwischenstopp ein. "Man lernt sehr viele Leute kennen", so die Erfahrung der beiden Wanderer - am Wochenende waren es eine Menge Mittelalterfreunde in Herrenberg.

Ritter bei ihren Kämpfen
Genau hingeschaut: Utensilien aus dem Mittelalter
GB-Foto: Holom

 
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