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Schwer zu tragen hatten die “Ritter"
bei ihren Kämpfen:
Die Rüstung wog rund 40 Kilo
GB-Foto: Holom
Gute Stimmung - "Ein bisschen
mehr hätte es schon sein können."
Philipp Jakob, Vorsitzender der Stadtkapelle,
zeigte sich ein wenig enttäuscht ob der Besucherzahl.
"Zu heiß", so die mögliche
Erklärung der Marktbeschicker. Vor allem
in den kühleren Abend- und Morgenstunden
füllte sich der Platz, die Stimmung war an
beiden Tagen sehr gut. "Das hat einfach Spaß
gemacht", äußerten sich die Besucher
über Gaukeleien, Ritter- und Schwertkämpfe
und die Hinrichtungen an der Wasserguillotine.
45 Stände waren auf dem Gelände aufgebaut,
zwischen kulinarischen Köstlichkeiten und
Handwerkskunst fanden sich auch allerlei "Kurzweyl"-Angebote.
So konnte am Stand von Claus und Ariadne Bayerl
mit Bogen oder Armbrust geschossen oder mit Messern
geworfen werden.
Schwere Rüstung - Die größere
Variante fand sich in den Händen der fünf
Schwertkämpfer wieder. Die hatten für
ihre Schaukämpfe eine 40 Kilogramm schwere
Rüstung angezogen und kreuzten inmitten der
Zuschauer ihre Schwerter. "Jeder ist sich
selbst der Nächste", so die Warnung,
bevor jeder gegen jeden kämpfte. Was spielerisch
aussieht, erfordert regelmäßiges Training.
Alle zwei Wochen treffen sich die Mitglieder der
Germanischen Völker Heimdall.
Das Kreuz mit den Weibern -
Gefochten wurde auch beim Auftritt der Turnierreiter.
Vier Akteure zu Pferd, dazu einige Knappen - seit
zwei Jahren treten die Mitglieder von "Rittermaerchen"
mit auf. "Wir wollen weg vom typischen Ritterturnier,
wollen lieber lustige und unterhaltsame Geschichten
erzählen", erklärt Laurentius vom
Untreutal. Gespickt mit allerlei Ritterprüfungen
erzählten die Schausteller aus Oberfranken
vom verblassten Glanz zweiter Turnierhelden und
deren Kampf gegen ihre wehrhaften Frauen. "Vom
Kreuz mit den Eheweibern", so der griffige
Titel.
Calwer Nachtwächter - Mit
seinem "Eheweib" Jutta war Thomas Reininger
nach Herrenberg gekommen. Eigens für den
Besuch auf dem Mittelaltermarkt hatte er seine
Dienstuniform angezogen und sein Arbeitsgerät
mitgebracht. "Hört ihr Leut und lasst
euch sagen . .." verkündete der Calwer
ein ums andere Male und blies dabei kräftig
in sein Horn. Thomas Reininger ist Mitglied der
baden-württembergischen Türmer- und
Nachtwächterzunft und seines Zeichens Nachtwächter
zu Calw. Sprüche und Anekdoten müsse
man kennen und "einfach schwätzen können",
so das Berufsgeheimnis.
Nicht beißen, nur stinken
- Ähnlich argumentierte Bernatius van Troethoven.
Der Darsteller war mit "Bombi, meiner dickeren
Hälfte" nach Herrenberg gekommen. Die
beiden traten als "Duo Obscurum" auf,
unterhielten die Marktbesucher mit Dudelsack und
Trommeln. "Reden, das ist unsere Stärke",
erklärte Bernatius selbstbewusst und gab
auch gleich eine Kostprobe: "Kommt nur näher.
Wir beißen nicht, wir stinken bloß",
lockte er das Herrenberger Publikum. Seit sieben
Jahren tritt das Dresdner Duo gemeinsam auf, ist
fast jedes Wochenende unterwegs. "Da braucht
man einige Annehmlichkeit, wir schlafen in einer
Pension." Ebenso wie die Bäcker, die
beim "Schlossbeck" für ofenfrisches
Holzofenbrot und herzhaft belegte Dinnede zuständig
sind. "Wir sind von Mai bis Dezember in ganz
Europa unterwegs", erzählte Verkäufer
Karl-Heinz. Wenn möglich, wird im Hotel oder
im Wohnmobil übernachtet.
Fahrendes Museum - Zelt oder
Verkaufsstand heißen die Übernachtungsmöglichkeiten
für Handwerker und Lagerbewohner. Frieder
Walter beispielsweise schlief bei seinen Schuhen.
Der Orthopädieschuhmacher aus Willstätt
war am Wochenende zum ersten Mal auf einem Mittelaltermarkt.
Holzgaloschen fertigte und verkaufte er, dazu
mittelalterliche Kuhmaul- und Schnabelschuhe.
Zelte dienten hingegen den Templern und Vasallen
als Unterschlupf. Die beiden Gruppen hatten am
Rande des Festgeländes ihr Lager aufgeschlagen
und demonstrierten die historische Lebensweise.
"Wir sind ein fahrendes Museum, bieten Geschichte
zum Anfassen", erzählten Christina von
Knüttel im Felde und Henker Andreas Stockmann
von den "Vasallen der Mark Baden" und
Robert von Hohenstein samt Gemahlin Karolin Vormberg
von der "Templer Kompturey Murgtal".
"Die Leute bilden eine große Familie",
erzählten sie über die Besonderheiten
der Mittel alter-Begeisterten.
Auf der Walz - Aus dem gleichen
Grund sind Sina Köble aus Nebringen und Karolina
Martijan aus Magstadt der Faszina tion für
die Zeitepoche erlegen. "Alle duzen sich
und umarmen sich. Man kann sich sofort wohlfühlen."
Sie hatten sich für das Wochenende als Magd
und als Edeldame kostümiert und die Kleider
dafür selbst genäht. "Sonst läuft
man Gefahr, dass jemand das gleiche Kostüm
anhat", so ihre Erklärung für die
Handarbeit. So viele Gedanken hatten sich Korny
und Kai nicht gemacht. Sie waren eher durch Zufall
zwischen Buden und Schaustellern gelandet. Denn
der 20-jährige Zimmermann und der 27-jährige
Goldschmied sind auf der Walz. Rottweil ist ihr
Ziel, und weil sie dort erst am Sonntag ankommen
wollten, legten sie in Herrenberg einen Zwischenstopp
ein. "Man lernt sehr viele Leute kennen",
so die Erfahrung der beiden Wanderer - am Wochenende
waren es eine Menge Mittelalterfreunde in Herrenberg.

Genau hingeschaut: Utensilien aus dem Mittelalter
GB-Foto: Holom
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