| Vergnügliche Unbeschwertheit
bot das Jugendblasorchester mit seinen heiteren
Spielstücken. Bei amüsanten Arrangements
zeigten die Nachwuchsbläser ihr Können
und erhielten viel Beifall für die spannungsvollen
Elemente. Heitere Leichtigkeit und beschwingte
tänzerische Phrasen von Schmetterlingen und
Glühwürmchen wechselten mit schmeichelnder
Romantik des Musicals "Wicked" oder
den teilweise kokett anmutenden Phrasen bei der
kleinen Meerjungfrau. Das Publikum honorierte
ihre spielerische Ernsthaftigkeit mit großem
Applaus.
Nach dem Stilwandel, den die meisten Blasmusikkapellen
im vergangenen Jahrzehnt vollzogen haben, ist
der Radetzky-Marsch beinahe zur Rarität geworden.
Die Entscheidung, die Konzertfassung des populären
Paradestücks zu präsentieren, wurde
deshalb in der gut besuchten Halle mit begeisterten
Pfiffen belohnt. Den versierten Bläsern gelang
es überzeugend, den symbolischen Stimmungswechsel
aufzuzeigen. Sie betonten den markanten Rhythmus
ebenso wie die Leichtigkeit der melodiösen
Passagen.
Das folgende Stück verlangte einen kompromisslosen
Stimmungswechsel, denn die "Finlandia"
von Jean Sibelius ist eine ungestüme Sinfonische
Dichtung aus dem Jahr 1900. Die rasche Abfolge
von melancholischen und federnd-leichten Elementen
musste nahtlos ins grandiose, beinahe Erhabene
integriert werden.
Bei der "Hans Christian Andersen Suite"
des Dänen Søren Hyldgaard bewiesen
die Musiker ihr Gespür für Akzente und
Überraschungen. Verspielt eilt der zeitgenössische
Filmkomponist durch die Themen. Er lässt
ausdrucksstarke Bilder auftauchen, variiert in
hohem Tempo Rhythmen und Klangfarben, um völlig
abrupt und irgendwie viel zu früh zu enden.
Dramatik wurde bei "Dragon Fight" verlangt.
Der niederösterreichische Komponist Otto
M. Schwarz gilt als Garant für voluminöse
Filmmusik. Um einen bösen Drachen, einen
helfenden Riesen und ein ängstliches Bergbauernvolk
rankt sich die beklemmend-düstere Melodie,
die sich bald zu einem wilden Furioso steigert.
Mit großer Gewissenhaftigkeit wurde das
grimmige Bild des Drachen aufgefächert. Dirigent
Matthias Beno trieb seine Spieler in diesem mächtigen,
dominanten Stück konsequent weiter, bis geradlinig
und klar die "Erlösung" erschien.
Weniger mächtig war dann der zweite Programmteil
des Großen Blasorchesters. Einem frischen
Medley aus den Hits der Beatles folgte Folkrock
von Paul Simon und Art Garfunkel. Die berühmten
Balladen bremsten zum ersten Mal das ungeheure
Spieltempo des Abends. Die Musiker gestatteten
die angemessene Schlichtheit der stillen Balladen
und boten so einen Moment der Entspannung. Ein
völlig neues Klangerlebnis folgte mit einem
ungewöhnlich sanften Elvis-Querschnitt. Ohne
den prägnanten Rock blieb vor dem geistigen
Auge der provokative Hüftschwung des "King
of Rock" aus. Stattdessen präsentierten
die Musiker bis zum Ende bei runder Harmonie ihre
starke spielerische Präsenz und Konzentration.
Gern gaben sie die geforderten Zugaben und ließen
sich von ihren stampfenden und jubelnden Gästen
gebührend für einen großartigen
Abend feiern.
Nach einem Geburtstagsständchen für
einen Hornisten nahm Hans Reichenecker vom Kreisverband
Böblingen, Ehrungen vor. Für 30-jährige
aktive Tätigkeit überreichte er Ingrid
Heumesser die Ehrennadel in Gold des Landes-Blasmusikverbandes.
Die Ehrennadel in Gold mit Diamant ging an Leonhard
Kreis für 50 Jahre. Matthias Beno wurde für
seinen zehnjährigen Dienst mit einer Dirigenten-Ehrennadel
in Bronze gedankt und eine Anerkennung für
30 Jahre im Vorstand der Stadtkapelle konnte Andreas
Marquardt in Form der Ehrenmedaille in Gold mit
Diamant mit nach Hause nehmen.
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