| Gedränge.
Dauerthema beim Herrenberger Festwochenende: Das
Wetter. Heiß, fast zu heiß beim Fassanstich
am frühen Freitagabend, angenehm in den folgenden
Abendstunden. Im Gegensatz zum Vorjahr zeigte
sich der Sommer von seiner schönsten Seite,
die milden Temperaturen luden zum Verweilen ein.
Schon am ersten Abend herrschte an den neun Festplätzen
dichtes Gedränge. Die Regenschauer und der
graue Himmel am Samstagnachmittag und der empfindlich
kühle Abend trüben die Bilanz der beteiligten
Vereine ein wenig, am Sonntag dann sorgten Sonne
und leichter Wind für den idealen Festausklang.
Unerschrockene. Dass es so gekommen
ist, dafür hat die Trachtenkapelle Musikverein
Gültstein gesorgt. Zumindest, wenn man Vereinsvorstand
Hans Krätschmer Glauben schenken darf. "Wir
haben den Regen vertrieben, wir werden dafür
sorgen, dass die Sonne wieder kommt", hatte
er zwischen Bozener Bergsteigermarsch und Antonia-Polka
verkündet. Überschaubar war die Zahl
derer, die am Samstagnachmittag diese hehre Zielvorgabe
der Gültsteiner Musiker vernommen hatten.
Nach den Vorführungen waren nur wenige Unerschrockene
auf dem Herrenberger Marktplatz geblieben, um
auf den vollmundig angekündigten Wetterumschwung
zu warten.
Musik drin. Der kam pünktlich
zum Beginn des Abendprogramms. Zwar waren die
Temperaturen am zweiten Stadtfestabend nicht ganz
so mild wie noch am Freitag, in Sachen Stimmung
und Besucherandrang hingegen merkten die beteiligten
Vereine und Gruppen keinen Unterschied. Big-Band-Sound
bei der Stadtkapelle, American Rock bei den Handballern,
Rock und Pop mit "Yahoo" beim Liederkranz
und "Mi-re-na" beim SV Affstätt
- wie in jedem Jahr überzeugte das Stadtfest
mit einem breitgefächerten Musikprogramm
und einigen kulinarischen Besonderheiten.
Erfrischend. Eine davon servierten
Natalia und Xavier Bonilla. Das Ehepaar, das am
Hasenplatz sein Geschäft betreibt, hatte
auf Einladung der Stadtkapelle einen Stand aufgebaut.
Wie in den letzten beiden Jahren gab es Smoothies
in den Geschmacksrichtungen Mango, Erdbeere und
Banane und Obstspieße mit selbst gemachter
Zartbitter-Schokolade. Zum diesjährigen Stadtfest
hatten die beiden eine weitere fruchtige Leckerei
mitgebracht: Wassermelone mit Gewürzen. Das
Rezept für den Sud stammt von der Tante von
Xavier Bonilla. Dafür wird Traubensaft mit
Zimt, Vanille, Sternanis, Fenchelsamen, Rohrzucker
und Pfefferkörner aufgekocht und die Melonenstückchen
darin eingelegt. Genau die richtige Erfrischung
für einen warmen Sommerabend.
Aufgeregt. Frisch, fast zu frisch
waren die Temperaturen für die Kinder und
Jugendlichen, die am Samstagnachmittag auf der
Marktplatz-Bühne auftraten. Mit knappen Shorts
und T-Shirt bekleidet, zeigten dort die "Little
Sparrows", die Nachwuchstruppe der VfL-Cheerleader,
ihr Können. Zwischen sechs und zwölf
Jahre alt sind die kleinen "Eagles",
der Auftritt beim Stadtfest war nicht das erste
öffentliche Schautanzen. "Aber natürlich
sind alle immer noch sehr aufgeregt", wusste
Abteilungsleiterin und Trainerin Danja Deffner
um das Nervenflattern ihrer Küken. Davon
war beim Tanzen mit den grün-weißen
Pompons und bei den diversen Pyramiden und Hebefiguren
nichts zu sehen.
Lautstark. Souverän präsentierten
sich auch die jungen Percussionisten der Vogt-Heß-Schule,
der Pfalzgraf-Rudolf-Schule und die Mitglieder
des Percussion Ensembles der Herrenberger Musikschule.
Becken, Trommeln, Cajons und Glockenspiele in
allen Größen und Varianten waren auf
die Bühne geschleppt worden. In wechselnder
instrumentaler Besetzung spielten die Nachwuchsmusiker
ein knapp einstündiges Programm. Gemeinsam
ist den Schlagzeugschülern nicht nur die
Liebe zum Rhythmus sondern auch der musikalische
Leiter, Gregor Daszko betreut alle drei Gruppen.
Unter seinem Dirigat erklangen Titel wie "Samurai",
"Rock it" und "Fusion Mallets".
"Genau die richtige Lautstärke für
den Marktplatz", hatte Daszko den lautstarken
Auftakt der Gesamtgruppe trocken kommentiert.
Für Mali. Trocken sollte
auch die Ware bleiben, die die katholische Kirchengemeinde
bei ihrem Flohmarkt anbot, weshalb am Samstag
ein ums andere Mal mit Folie und Abdeckungen hantiert
wurde. Der Ausschuss Weltkirche hatte Haushaltswaren,
Bücher und Spielwaren gesammelt. Die Schmuckstücke
wurden gemeinsam mit einem 50-köpfigen Helferteam
von Donnerstag an in der Stuttgarter Straße
aufgebaut und über das Wochenende zum Verkauf
angeboten. Der Flohmarkterlös kommt der Frauenförderung
in den Dörfern um Mopti in Mali zugute, konkret
soll dort die Ausbildung einer zweiten Hebamme
finanziell unterstützt werden. "Wir
sind nicht unbedingt gefrustet, aber das sonst
so typische Flohmarktflair hat sich nicht eingestellt",
zeigte sich Gabi Feil ein wenig enttäuscht
ob der Wetterkapriolen am Samstag und dem dadurch
bedingten Ausbleiben der Kundschaft. Laut Florian
Funer, Minis trant und Flohmarkthelfer, waren
die Verkaufsschlager in diesem Jahr vor allem
Dreiräder, Kettcars und Laufräder.
Über die Straße.
Mehr Bewegung als sonst wurde den Stadtfestbesuchern
in diesem Jahr abverlangt: Wer zum Stand der Herrenberger
Wanderers wollte, musste die Hindenburgstraße
queren. Durch die Baustellen im oberen Graben
fand der Wochenmarkt im unteren Graben statt -
die Baseballer mussten ihren angestammten Platz
räumen und auf den Schulhof der Albert-Schweitzer-Schule
umziehen. "Der Platz ist schon toll, auch
wenn wir uns erst einmal neu orientieren und schauen
mussten, wo wir Strom und Wasser herbekommen",
sagte Vereinschef Dirk Hoffmann. Musikalisch gesehen
knüpfte man an eine alte Tradition an: Wie
seit knapp zehn Jahren sorgte am Samstagabend
die Partyband "Madison Bow" für
Stimmung rund um Caipi- und Weizenstand, mit 80
Mann pro Tag stemmten die Baseballer einmal mehr
den Festbetrieb.
Im Schichtbetrieb. Eine ähnlich
stattliche Zahl an Helfern stellte der Musikverein
Stadtkapelle Herrenberg. Wie in den Vorjahren
trat der Verein als Hauptorganisator des Stadtfestes
auf und bewirtete den Marktplatz. Knapp 150 Schichten
galt es von Freitag bis Sonntag mit Personal zu
besetzen, mit dem Festwochenende war Vorsitzender
Philipp Jakob sowohl aus Vereins- als auch aus
Organisationssicht zufrieden. "Durch das
Platzproblem gab es zwar einiges Neues, aber insgesamt
ist es gut gelaufen." Positiv sei auch das
Fazit der anderen beteiligten Vereine ausgefallen.
Manche Besucher hätten zwar die räumliche
Zweiteilung bedauert, dennoch sei die Stimmung
während der drei Tage gut gewesen. "Es
war mal wieder ein schönes Fest", so
Philipp Jakob.
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